Kaffee zum Mitnehmen oder Bier im Stadion – wir trinken gern unterwegs. Meist gibt es das Getränk im Plastik- oder Pappbecher. Wäre Glas, Keramik oder ein Thermobecher nicht umweltfreundlicher, da wiederverwertbar?
Die erste Einschätzung: Keramik-, oder Thermobecher sind sehr oft wiederverwendbar und allein deshalb wohl auch umweltfreundlicher. Allerdings sind sie auch schwerer und ihre Herstellung verlangt mehr Energie, und aufgrund ihres höheren Gewichts natürlich auch mehr Sprit für den Transport, zum Beispiel vom Werk in den Handel. Dazu kommen der Wasser- und Spülmittel verbrauch beim Abwasch.
Im Vergleich bringt ein typischer Plastikbecher hingegen nur wenige Gramm auf die Waage – das wirkt sich günstig auf den Transport und die spätere Entsorgung aus. Vergleichsweise unkompliziert ist auch das Recycling. Ähnlich leichtgewichtig sind auch Pappbecher, doch ihre Produktion erfordert Holz. Dazu kommt eine spezielle Innenbeschichtung aus Kunststoff. Das wiederum erschwert meist das Recycling.

Abwasch oder Mülleimer?
Nur wenn Keramik-, Thermobecher jahrelang immer wieder genutzt werden – zwischen 500 und 3.000 Mal (so eine Untersuchung von TNO, einer niederländische Organisation für angewandte Wissenschaft), beginnen sich ihre Umweltauswirkungen zu neutralisieren.
In einer unabhängigen Studie machte TNO die Umweltauswirkungen der Einweg-/Mehrweg-Alternative am Prinzip der ökologischen „Schattenkosten“ fest, die beispielsweise bei der Herstellung oder Entsorgung anfallen.
 
Das Ergebnis:
Alles in allem liegen Einwegbecher in der Öko-Gesamtbilanz eigentlich um rund 20 Prozent vor Tassen oder Bechern aus Keramik. ABER: Es kommt eben auf den Gebrauch des Einzelnen an. Je seltener Keramikgeschirr gespült wird, desto günstiger fällt seine Ökobilanz aus – genauer gesagt, ab 5-maliger Verwendung ohne Spülen beginnen Mehrwegbecher umweltverträglicher zu werden.
Gleiches gilt natürlich auch für Einwegbecher: Durch mehrmalige Verwendung lässt sich ihre Ökobilanz weiter verbessern. Letztlich aber müssen wir uns fragen, wo unsere Prioritäten liegen. Möchten wir das Erdöl sparen, das die Produktion von Kunststoff nun einmal erfordert? Oder doch eher Energie und Wasser über den gesamten Lebenszyklus?

Beim Becher in der Firma besteht möglicherweise keine Wahl. Man muss nehmen, was aus dem Automaten kommt.
Die Frage ist auch, ob gebrauchte Becher recycelt oder zur Energiegewinnung verbrannt werden.
Pappbecher hingegen landen in aller Regel auf der Deponie, denn die Innenbeschichtung erschwert das Recycling. Doch auch sie können in der Regel natürlich mehrmals verwendet werden.

Mehrwegbecher haben bessere Ökobilanz
In einer Untersuchung für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz ist eine vergleichende Ökobilanz ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen: Für Großveranstaltungen sind Mehrwegbecher-Systeme den Einweg-Lösungen ökologisch deutlich überlegen. Selbst kompostierbare Einwegbecher aus nachwachsenden Rohstoffen (PLA) schneiden nicht besser ab als herkömmliche Einwegbecher beispielsweise aus PET.
Der Kaffeeketten Thermobecher Test
An Bahnhöfen, in Fußgängerzonen und Parks quellen sie aus den Mülleimern: Kaffeebecher. Grund für mich mein eigenes Trinkverhalten außer Haus selbst mal unter die Lupe zu nehmen. In durchschnitt wurde jede 4 Tasse Kaffee von mir außer Haus getrunken. Bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 162 Litern würde das rund 40 Litern Kaffee pro Jahr entsprechen, die “jede Person” außer Haus trinkt. Viele davon gingen in Einwegbechern über den Tresen. Da die Becher meist aussehen, als seien sie aus reiner Pappe – und zudem oft draufsteht, sie seien verwertbar – denken viele Kaffeetrinker, die Becher würden im Altpapier landen und wiederverwertet. Doch das stimmt nicht.
Die meisten Becher sehen nur aus, als seien sie zu 100 Prozent aus Pappe, sind auf der Innenseite aber mit einer feinen Plastikschicht überzogen. Zwar macht das nur fünf Prozent des Materials aus – doch das reicht für ein gewaltiges Entsorgungsdilemma. Diese Papp-Plastik-Mischung sei “praktisch nicht recyclebar”, erhielt ich Auskunft von einen Sprecher der Berliner Stadtreinigung. Außerdem landeten die Becher unterwegs fast immer in Straßenmülleimern, deren Inhalt ohnehin untrennbar sei. Was vom Coffee to go übrig bleibt, endet also nicht in der Recycling-, sondern in der Verbrennungsanlage.
 
Die Reaktionen der Coffeeshops
Eine wiederverwertbare Alternative ist zunächst also eine gute Idee. Hierzu besorgte ich mir ein neutralen Thermobecher mit einen Fassungsvermögen von 280 ml was bei den meisten Kaffeeshops die Coffe-to-go anbieten die Größe S (small) entspricht. Was ich bei den Test alles erlebte hätte ich selbst nicht erwartet. Zu erwähnen ist, das die Kaffeeketten in einzelnen 3 mal an verschiedenen Standorten von mir getestet wurden, jedoch alle samt sich in Berlin befinden.
 
Starbucks – in allen 3 Tests reagierte Starbucks problemlos auf mein selbst mitgebrachten Becher obwohl dieser nicht von Starbucks stammte.Große Überraschung, auch wenn es kein Starbucks Becher war, erhielt ich bei jeden Kaffee 0,30 Cent Rabatt für das mitbringen des eigenen Becher. Auf Nachfrage erhielt ich die Auskunft, das der Rabatt von Starbucks in ganz Deutschland bei allen Starbucks Filialen für alle selbst mitgebrachten Becher, unabhängig von Fassungsvermögen, gelte. 
 
Antwort von Starbucks Deutschland:
[..]Der Erfolg unserer Bemühungen, die Umweltbelastung durch unsere Starbucks Becher zu reduzieren, hängt von zwei Faktoren ab, die eng miteinander verbunden sind: Zum einen müssen wir recycelfähige Becher anbieten, und zum anderen müssen wir dafür sorgen, dass unsere Gäste deutlich mehr wiederverwendbare Tassen verwenden. Viele unserer Gäste sind wie wir darum bemüht, ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren. Um diese Bemühungen zu unterstützen, bieten wir in Deutschland einen Preisnachlass von 30 Cent auf Getränke an, wenn Gäste ihre eigenen Becher oder Trinkbehälter verwenden. Gäste, die im Coffee House Platz nehmen, können ihre Getränke in einer Keramiktasse zu sich nehmen. Jeder nicht benötigte Einweg-Becher trägt zur Müllvermeidung bei und dazu, dass weniger Bäume gefällt werden müssen.[..]
Scoom – bietet Bio-Fairtrade-Kaffeespezialitäten an. Auch Scoom hat mittlerweile Haus eigene Mehrwegbecher. Der Becher ist seit Januar in Berlin erhältlich und wird nach und nach Deutschlandweit angeboten. Wie bei Starbucks ist auch bei Scoom der eigene Becher jedoch Herzlich willkommen gewesen. Deutschlandweit beträgt der Preisnachlass 10 Cent. Hinschauen lohnt jedoch. In 1 von 3 Tests wurde der Rabatt anfänglich nicht abgezogen.
 
McDonalds – abgesehen von der viel zahl der Wegwerfpackungen beim Essen, serviert die Burger Kette in Ihren McCafés schon lange Kaffee und Kuchen auf ihren Hauseigenen Geschirr, doch auch wer hier ein Kaffee zu mitnehmen möchte, bekommt diesen nach wie vor in einen Pappbecher mit Plastikdeckel. Im ersten Test wurde der eigene Becher schlicht von Mitarbeiter anfänglich ignoriert. In den zwei weiteren Tests wurde erst der Hauseigene Becher von McDonalds gefüllt ehe der Inhalt dann in die Tasse gefüllt wurde (der Pappbecher wanderte danach umgehend zwar in den Müll, aber welchen Sinn hat es dann noch?). Auf Nachfrage, erhielt ich eine ausführliche Antwort von McDonalds, jedoch erfolgte keine Stellungnahme warum man vor den füllen des eigenen Becher, erst einen Hauseigenen zur Hilfe nehmen müsse. 
 
Antwort von McDonalds
Wir wollen auch in Zukunft den Materialeinsatz so niedrig wie möglich halten. McDonald’s hat sich global das Ziel gesetzt, bis 2025 weltweit in allen Restaurants Systeme einzuführen, mit denen gebrauchte Verkaufsverpackungen sortiert und einem Recycling zugeführt werden können. Außerdem sollen bis dahin 100 Prozent aller Verkaufsverpackungen aus erneuerbaren, recycelten oder zertifizierten Quellen stammen. Einen wichtigen Meilenstein haben wir bei McDonald’s Deutschland bereits erreicht: Das in unseren Verpackungen eingesetzte Frischfaserpapier stammt seit 2015 zu 100 Prozent aus Forstwirtschaft zertifiziert nach FSC (Forest Stewardship Council) oder PEFC (Programme for Endorsement of Forest Certification).
Verpackungen kosten zweimal
Wir bezahlen zweimal für unsere Verpackungen. Einmal für den Einkauf von Schachteln, Bechern und Tüten und einmal für deren Entsorgung. Im Rahmen des in Deutschland geltenden Dualen Systems bezahlen wir für alle von uns in Umlauf gebrachten Verpackungen eine Lizenzgebühr. Deshalb ist es nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für unseren Geldbeutel, wenn wir Verpackungsmengen reduzieren und die Recyclingfähigkeit unserer Abfälle erhöhen. Ein kleines Beispiel: Wir haben in allen unseren Restaurants Serviettenspender, die jeweils nur eine Serviette abgeben und so eine bedarfsgerechte Entnahme erleichtern. Zudem haben wir die Größe der Servietten sukzessive auf ein Minimum reduziert. Beides hilft uns, Papier zu sparen und somit die Umwelt zu schonen.
Becher to bring
Seit November 2016 können unsere Gäste ihren Kaffee zum Mitnehmen in ihren selbst mitgebrachten sauberen Becher füllen lassen. Das zahlt sich doppelt aus: Der Gast bekommt für seine Mühe, den Becher mitzubringen, 10 Cent Rabatt von uns. Und wir sparen Verpackungen.
Segafredo – auch Segafredo hat sein eigenen Thermobecher längst auf dem Markt. Leider findet man diesen nur noch in den eigenen Hauseigenen Ketten selten, an den Agip Tankstellen problemlos. Aber: der Becher hat ein Pfand von 2 Euro und wird beim nächsten Besuch gern ausgetauscht. Rabatte 10 Cent bei normaler Größe, 20 Cent bei Maxi. Leider gab es bei den selbst mitgebrachten Becher in keinen der drei Tests ein Rabatt. “Der Rabatt beziehe sich lediglich auf die erhältlichen Segafredo Mehrwegbecher”. Ein Stellungnahme des Unternehmens Agenti von Segafredo die weltweit über 70.000 Gastronomiekunden betreuen, darunter auch mehrere hundert Espressobars auf Franchise-Basis, welche als Botschafter italienischer Caffè-Kultur fungieren, gab es nicht.
 
Le Crobag – hier gibt es den Hauseigenen Mehrwegbecher für 9,99 € inklusive ersten Gratis Getränk. Die Becher sind meist schnell vergriffen. Eigene Becher sind hier ebenfalls Willkommen. Beim Test gab es keinerlei Beanstandungen.  Hinweis: den Preisnachlass von 10 Cent gibt es nicht bei allen Shops, dies gilt sowohl auf die Hauseigenen als auch auf eigene mitgebrachte Becher. So gibt es den Rabatt beispielsweise beim Shop in Berlin Hauptbahnhof und auf den Bahnhof Friedrichstrasse, aber nicht auf dem Bahnhof Berlin Südkreuz. Dies betrifft in übrigen nicht nur Berlin, sondern kann individuell Deutschlandweit selbst von den Le Crobag Shops festgelegt werden ob diese ein Rabatt geben oder nicht. Le Crobag hat auf Ihrer Website eine Liste aller teilnehmende Shops hinterlegt mit Stand Januar 2018.
 
backWerk – nach den großen Protesten in 2016, empfiehlt die SB-Bäckerei Backwerk ihren Franchise-Partnern, Mehrwegbecher zuzulassen. Keine der drei getesteten Shops in Berlin wollte meinen eigenen Becher akzeptieren! Die Empfehlung der Shops: einen Becher Kaffee zu kaufen und diesen dann umzufüllen! 
 
CUCCIS – ist mittlerweile auf jeden großen Bahnhöfen zu finden und steht für Schnelligkeit und Genuss, aber nicht für den “Umweltschutz”. Auch hier gab es an allen drei getesteten Standorten Diskussionen und dies wurde auch deutlich nachdem ich den Kaffee Pappbecher in meinen eigenen Becher umfüllte, den ich in übrigen den jeweiligen Verkäufern dann wieder hinstellte, damit diese die Pappbecher selbst entsorgen was ebenfalls zu keinen sehr kundenfreundlichen Ton führte. In keinen Fall stimmte die tatsächlich abgerechnete Menge. Nach einer Beschwerde bei den Unternehmen gab es zwar keine Stellungnahme aber immerhin einen Gutschein für einen Kaffee, wenn dieser auch nicht eingelöst wird. 
 
Ebenfalls wurde der eigene Becher auch bei Haferkater – Porridge & Coffee, Wiener Feinbäckerei, Dahlback und RIZO Café – Bar problemlos akzeptiert, wenn auch ohne Preisnachlass.